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Evangelische Jugendbildungsarbeit


3. PÄDAGOGISCHE KONZEPTION

Evangelische Jugendbildungsarbeit konkretisiert sich nicht nur in klassischen Bildungsveranstaltungen, sondern geschieht überall dort, wo Jugendlichen politische und demokratische Erfahrungsfelder ermöglicht werden, wo ihre sozialen Kompetenzen, ihre politische Handlungsfähigkeit gestärkt, ihre Persönlichkeitsentwicklung gefördert und Grundwerte christlichen Glaubens verstehbar und umsetzbar gemacht werden.
Grundbestandteil ist das gemeinsame Lernen und die Kommunikation in einer Gruppe. Dazu gehört die Möglichkeit, sich selbst als Individuum in und mit der Gruppe zu erfahren, konstruktiv in einer Gruppe zusammenzuarbeiten und gemeinsam zu lernen und gleichzeitig den Prozeß des Lernens zu reflektieren.
Der Anspruch des Evangeliums zielt auf den ganzen Menschen und eröffnet eine neue Lebensqualität. Durch die bewußte Wahrnehmung von Mitmenschen und Umwelt, die Verantwortungsübernahme und Gemeinschaftsorientierung dringt dieser Anspruch in die gesamte evangelische Jugendbildungsarbeit ein.

Folgende Herausforderungen für die pädagogische Konzeption evangelischer Jugendbildungsarbeit ergeben sich hieraus:

Sich ganzheitlich wahrnehmen und ausdrücken.
Evangelische Jugendbildungsarbeit bietet Raum und Zeit, sich selbst und andere als Subjekte, als ganzen Menschen wahrzunehmen; die eigenen Gefühle, und die der anderen ernstzunehmen und die eigene Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen zum Ausdruck zu bringen. Dies erfordert ein Bildungskonzept, das auf Ganzheitlichkeit ausgerichtet ist und die Jugendlichen auf unterschiedlichen Ebenen (Kopf, Bauch, Hand) anspricht und deren schöpferische
Ausdrucksmöglichkeiten fördert.

Sich und andere in ihrer Andersartigkeit akzeptieren.
Evangelische Jugendbildungsarbeit eröffnet Erfahrungsräume, sich und andere besser kennenzulernen und Gemeinsamkeiten und Verschiedenheiten zu erkennen. Es gilt zu lernen, andere in ihrer Andersartigkeit zu akzeptieren und andere Lebensentwürfe zu achten und zu tolerieren sowie eigene Grenzen und die der anderen wahrzunehmen und zu respektieren. Jegliche Toleranz erfährt allerdings ihre Grenzen in der Mißachtung der menschlichen Würde und der Zerstörung von Schöpfung.

Die eigene Rolle und Identität geschlechtsbewußt reflektieren.
Evangelische Jugendbildungsarbeit ist in der Regel koedukative Arbeit. Sie bezieht sich aber auch mit geschlechtsspezifischen Angeboten bewußt auf „Mädchen als Mädchen“ und „Jungen als Jungen“, denn Mädchenalltag sieht anders aus als Jungenalltag.
Es gilt, die unterschiedlichen Lebenslagen und Erfahrungen von Mädchen und Jungen, sowie die besonderen Aspekte männlicher und weiblicher Sozialisation in den Blick zu nehmen und die Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit und einer geschlechtlichen Identität zu fördern. Wichtig ist die Auseinandersetzung mit Rollenzuweisungen, die Mädchen und Jungen in ihrem Alltag wahrnehmen und selbst erfahren, sowie das Angebot eines Freiraumes in dem neue Rollen ausprobiert werden. Ziel ist die Verwirklichung von gleichen Chancen für Frauen und Männer und die Gleichbewertung beider Geschlechter.

Sich im Leben orientieren.
In der ev. Jugendbildungsarbeit steht die Identitätsentwicklung und somit die Auseinandersetzung mit Sinnangeboten und möglichen Lebensentwürfen im Mittelpunkt. Auf dem Weg zur Entwicklung einer eigenen Identität werden Anregungen und Kriterien vermittelt und Antworten gesucht auf die Fragen „Wer bin ich?“, „Was will ich?“ und „Wie und wofür will ich leben?“
Darüberhinaus geht es auch um politische Selbstreflexion und um die Herausbildung einer gesellschaftlichen Identität, die den aktuellen Herausforderungen und interkulturellen Entwicklungen Rechnung trägt.

An Demokratie teilhaben und politische Verantwortung übernehmen.
Evangelische Jugendbildungsarbeit ist politische Bildung, die wirkungsvoll zur Fortentwicklung einer demokratischen Kultur beitragen will.
Hierzu werden Jugendlichen im Lernprozeß selbst politische Partizipation sowie demokratische Lebens- und Lernformen ermöglicht. Darüberhinaus entsprechen die Prinzipien: Beteiligung, Mitbestimmung, Mitgestaltung und Selbstorganisation dem verbandlichen Selbstverständnis Evangelischer Jugend. Insgesamt geht es darum, demokratische Aushandlungsprozesse zu fördern und Kommunikations- und Konfliktfähigkeit einzuüben.

Entscheidungen fällen und Verantwortung tragen.
Evangelische Jugendbildungsarbeit will die Entscheidungsfähigkeit des einzelnen Individuums und seine Verantwortungsübernahme fördern. Hierzu werden geeignete Erfahrungs- und Wirkungsfelder bereitgestellt. Wichtiges Kriterium hierbei ist die selbstbestimmte Interessenvertretung von Jugendlichen.
Darüberhinaus bieten die Rahmenbedingungen von Gruppenarbeit und Bildungsveranstaltungen geeignete Möglichkeiten, um verschiedene Interessen und unterschiedliche Positionen kennenzulernen, Maßstäbe für Entscheidungen zu diskutieren und verantwortlich Entscheidungen zu treffen.
Zur Entscheidungsfähigkeit gehört zudem das Bewußtsein, bei Fehlentscheidungen, die im Leben eines jeden Menschen dazugehören, die Chance zu haben, Fehler zu korrigieren bzw. neue Entscheidungen zu treffen..Darin enthalten ist immer auch die Lernmöglichkeit, die Grenzen und Konsequenzen einer Entscheidung zu erfahren.

Beziehung und Begleitung erfahren.
Ehrenamtliche und Hauptberufliche initiieren, organisieren, moderieren und begleiten Lernprozesse mit Jugendlichen.
Indem sie mit Jugendlichen gemeinsam Perspektiven und Orientierung finden und beratend und unterstützend wirken, bringen sie sich selbst mit ihrer ganzen Person und Haltung zum Leben, zu Gott und zu sich selbst und ihren Mitmenschen in den Prozeß ein.
Glaubwürdigkeit und persönliche Beziehung spielen somit eine wesentliche Rolle in der ev. Jugendbildungsarbeit und verlangen ein hohes Maß an sozialer Kompetenz und Verantwortung auf Seiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.



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